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Ritterlich (23 11 2006)

 
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Andrea11
Site Admin


Anmeldedatum: 17.04.2008
Beiträge: 2263
Wohnort: Pune Indien

BeitragVerfasst am: 17 Jul 2008 13:25     Titel: Ritterlich (23 11 2006) Antworten mit Zitat

Wie ausgeprägt ist das Sozialverhalten eines Durchschnittsengländers?



So lange bin ich ja nun noch nicht im Land um alle Aspekt hierzu hingehend beleuchten zu können, aber ein schönes Beispiel ist vielleicht unser Einzug ins Haus (Einkaufen und Pub wären auch nette Beispiele, aber dazu später mehr) und die nicht vorhandene Begegnung mit unseren neuen Nachbarn.




Als das Umzugsunternehmen abgezogen war und alle Kartons ausgepackt und verstaut dachten wir, dass es nun an der Zeit wäre nach einer Woche sich den neuen Nachbarn vorzustellen. Bis jetzt hatten wir trotz eifrigen Spähens noch keinem leibhaftig ausmachen können, aber die Häuser um uns herum sahen bewohnt aus und auch in den Gärten konnte man hinter den hohen blickdichten Zäunen und Mauern ab und an ein Stimmchen oder Hundegebell vernehmen.




Eines schönen Samstag Nachmittags machten wir uns dann auf uns den neuen Nachbarn vorzustellen.
Wir klingelten an der ersten Tür und lautes Hundegebell antwortete, weiter geschah aber nichts. Nun ja, die Autos standen vor dem Haus, Licht war an, vielleicht war man ja grade beschäftigt. Also zogen wir weiter zum nächsten Haus auch hier holten wir tief Luft, setzten unser Sonntagslächeln auf und warteten vergeblich auf eine Reaktion.



Da alle guten Dinge ja drei sind versuchten wir es dann beim direkten Nachbarn zu unserer linken und siehe da, unser Klopfen wurde erhört und die Tür geöffnet, Wir stellten uns also brav vor , daraufhin zuckte der Kopf der durch die Tür gesteckt wurde ins Haus zurück und mit einem "das sind sie wohl" wurden uns Briefe überreicht bevor die Tür ins Schloss viel.




Immerhin kam ich so zu nicht unwichtiger Post und der Erkenntnis dass meine Nachbarn wohl nicht gestört werden wollen.
Jetzt im Nachhinein erkenne ich natürlich schuldbewusst an, das ich einen riesen Fehler gemacht habe und wenn ich meine Nachbarn seid dem jemals wieder gesehen hätte, hätte ich um Wiedergutmachung heischend meine besten Wetterkenntnisse aufgeführt.




Eine eiserne Regel lautet, Klopfe nie an Haustüren außer du bist eingeladen.
Die einzige Möglichkeit einen Engländer an seinem Haus anzusprechen die akzeptabel ist und nicht als Eingriff in seine Privatsphäre gedeutet wird, ist die zu warten bis er im Vorgarten, der nur mit kleinen Mauern umgeben ist, anzusprechen. Es soll Nachbarn gegeben haben die monatelang auf so eine Begegnung warteten.
My home is my castle heist es so schön in England und das gilt auch für die modernen Reihenhäuser, die sind sie auch noch so klein und der Garten noch so winzig, zur ureigensten Bastion ausgebaut werden.




Dies erklärt übrigens auch warum es in England nicht üblich ist seinem Haus eine deutlich sichtbare Hausnummer zu geben. Der Grund ist ganz einfach und wird in dem erwähnten Buch am besten von einem Taxifahrer beschrieben.
"Wenn die Menschen schon keine Wassergräben und Zugbrücken haben können, dann versuchen sie doch zumindest auch heute noch den Zugang zu ihrem Haus so schwer wie möglich zu machen und das geht am einfachsten in dem man den Straßennamen hinter einem Busch verbirgt und die Hausnummer weglässt"



LG
Andrea
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Rapunzel



Anmeldedatum: 21.04.2008
Beiträge: 393

BeitragVerfasst am: 17 Jul 2008 21:17     Titel: Antworten mit Zitat

Oh, schön. Very Happy
Diese Geschichte habe ich schon vermißt.
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Anemone



Anmeldedatum: 09.07.2008
Beiträge: 406
Wohnort: Mittelschwaben

BeitragVerfasst am: 23 Jul 2008 20:23     Titel: Antworten mit Zitat

Interessant, interessant!!
Andrea kennst Du denn inzwischen Deine Nachbarn näher??

Ich glaub mein GG war im früheren Leben mal Engländer. Cool

LG Anemone
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Andrea11
Site Admin


Anmeldedatum: 17.04.2008
Beiträge: 2263
Wohnort: Pune Indien

BeitragVerfasst am: 24 Jul 2008 15:38     Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anemone,
meine 3 direkten Nachbarn sind inzwischen wieder andere.
Diese Verbundenheit zu einem Haus als mein Haus gibt es in England nicht so oft.
Man ist viel flexibler was das Wohnen und den Wohnort betrifft als in Deutschland.

Das jemand zur Miete lebt ist ja sowieso schon sehr merkwürdig in England, die meisten Engländer kaufen sich sehr früh ein kleines eigenes Heim und hier in der Umgebung gibt es wirklich auch noch diese 60m² Häuser auf Minigrundstück die für Erstkäufer erschwinglich sind um die 100000GBP.

Ich sag jetzt lieber nicht was ich an Miete zahle, aber in Deutschland hätte ich dafür in guter Lage in Düsseldorf ein Haus bekommen und trotzdem wird Vermieten nicht als lukrativ angesehen und Miete zahlen auch nicht.

Wir haben uns trotzdem dagegen entschlossen hier ein Haus zu kaufen da wir uns nicht vorstellen können für den gebotenen Standart so viel Geld zu zahlen. In Frage käme nur ein Haus nach Deutschen Standart und das ist für uns nicht bezahlbar.
Das hier steht im Niemandsland bei uns in der Nähe direkt verlinken geht nicht
http://www.propertyfinder.com
Property No. 502951389 in Tubney

Unsere neuen Nachbarn zur linken haben lange in Norwegen und dann in Australien gewohnt und sind genauso schockiert über den Wohnungsmarkt wie wir vor 2 Jahren und das obwohl er schon etwas runter gegangen ist.

Ich muss mal gucken ob ich noch meine Wohnungssuche von damals finde.

LG
Andrea
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Nevis



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Beiträge: 196
Wohnort: Karlsruhe

BeitragVerfasst am: 09 Okt 2011 13:34     Titel: Antworten mit Zitat

*hoch-schubs*

Eine schöne Geschichte, die ich gut nachvollziehen kann! Smile
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